Organisatorische Einordnung der Business Intelligence (BI Governance)

BI Governance (Steuerung der Business Intelligence)

Die Interessen der Business Intelligence müssen im Unternehmen zentral vertreten werden. Die Vertretung der Interessen der Business Intelligence wird von der BI Governance übernommen. Dies kann entweder in einem der Fachbereiche, in einer zentralen Stabsorganisation, in der Informationstechnologie (IT) oder aber auch in einer virtuellen Organisation erfolgen.
Definition Governance: Governance bedeutet: verwalten, leiten oder erziehen. Somit ist Governance im weitesten Sinne eine Steuerungsfunktion. In Unternehmen spricht man häufig von Governance, wenn zusätzliche Strukturen (z.B. Funktionale Strukturen) zur Linienorganisation (linienübergreifend, bereichsübergreifend) gesteuert werden müssen. Dies können Prozesse (z.B. Abrechnungsprozess) aber auch Themen, wie z.B. Business Intelligence sein.

Verantwortung Unternehmenssteuerung

Die Business Intelligence hat zum Ziel Informationen zur Unternehmenssteuerung bewußt, strukturiert, elektronisch, nachvollziehbar, zentral, persistent, transparent und schnell verfügbar machen. Link zu: Die Ziele und Aufgaben der BI-Governance

Die Schlußfolgerung hinsichtlich der Ziele von Business Intelligence ist, dass die BI organistorisch im Bereich der Verantwortung der Unternehmenssteuerung aufgehängt werden muß. In den meisten Unternehmen wird die Verantwortung der Unternehmenssteuerung im Bereich des Strategischen Controllings wahrgenommen. Zu den Inhalten dieser Verantwortung gehört u.a. die methodische Konsistenz zwischen den unterschiedlichen Steuerungsinstrumenten. Diese Verantwortung kann beispielsweise über eine Kennzahlenverantwortung wahrgenommen werden, d.h. jede Kennzahl wird eineindeutig definiert und darf nur einmal berechnet aber in unterschiedlichen Reports/Tools verwendet werden.

 Abbildung: Einordnung der Verantwortung der BI Governance

Verantwortung Bereichssteuerung bzw. Linienverantwortung

Die Verantwortung der Bereichssteuerung beinhaltet die Verwendung der Daten zu einem bestimmten Zweck, der auf die Ziele des Unternehmens einzahlt. Diese Verantwortung ist eine abgeleitete bzw. delegierte Verantwortung der Unternehmenssteuerung. In einer idealen Welt  stimmt die Verantwortung der Bereichsverantwortung mit der Linienverantwortung überein. D.h. durch die Aufgaben die der Linienorganisation zugeteilt sind, ergeben sich Bedarfe der Nutzung der Business Intelligence. Dieser Verantwortung muss sich die BI Governance zwar nicht unterordnen, aber ein aktives Management der Verwendungszwecke gehört zu den Kernaufgaben der BI Governance. Diese ideale Welt wird insbesondere durch Umorganisationen zerüttelt, weswegen die ideale Welt nahezu nie erreicht werden kann.

Verantwortung Datenmanagement / Operative Prozeßverantwortung

Die Business Intelligence produziert selbst keine Daten, sondern bedient sich aus dem Datenbestand der transaktionalen Informationssysteme und verarbeitet bzw. transformiert diese Daten zu Informationen. Dementsprechend macht eine Datenqualitäts- bzw. Datenverantwortung eingeschränkt auf die Analytischen Informationssysteme keinen Sinn. Die Datenverantwortung muß primär in den transaktionalen Systemen und sekundär in den Analytischen Informationssystemen verankert werden. Die BI Governance muß sich der ganzheitlich ausgerichteten Data Governance / Datamanagement unterordnen und konzentriert sich auf die Messung der Datenqualität in den Analytischen Informationssystemen und die Adressierung von Datenqualitätsproblemen an die transaktionalen Quellsystemen. Diese Datenverantwortung muß an die Verantwortung der Operativen Prozesse gekoppelt werden, die die Daten erzeugen, ändern und löschen. Die Klammer über alle Daten aller transaktionaler Systeme wird somit von einem zentralen Datenmanagement wahrgenommen. Die Verantwortung des Datamanagements und der BI Governance hat viele Abhängigkeiten, jedoch ist eine zwangsweise organisatorische Zusammenführung nicht notwendig aber durchaus möglich.
Für die Wahrnehmung der operativen Verantwortung der Prozeßqualität und Datenqualität werden häufig Data Warehouse Mechanismen eingesetzt. Der Grund hierfür ist, dass OLAP-Technologien für Monitoring-Aufgaben besser geeignet sind als OLTP-Technologien. Monitoring-Funktionalitäten sind im engeren Sinne keine Business Intelligence Aufgaben, sondern nur Sicherungsmechanismen für die korrekte Durchführung der operativen Prozesse. Unabhängig davon, ob die Funktionalität des Monitorings der Prozeßqualität und Datenqualität zur Business Intelligence gehört oder nicht, muss sichergestellt werden, dass die Ergebnisse aus dem Monitoring zu den Zahlen der Unternehmenssteuerung passen.

Zusammenfassung der organisatorischen Einordnung der BI Governance

Die BI Governance muss der Unternehmenssteuerung und somit dem strategischen Controlling untergeordnet sein. Die BI Governance muss folgendes verantworten:
  • Horizontale Verantwortungen: Sicherstellung, dass die Steuerungsinstrumente auf Unternehmensebene und Bereichsebene konsistent in den Business Intelligence Tools (DWH's, Analytischen Informationssystemen) abgebildet werden.
  • Vertikale Verantwortung: Sicherstellung dass die Steuerungsinstrumente zwischen der Unternehmens- und Bereichsebene sowie zwischen der Unternehmensebene und Operativer Ebene konsistent in den Business Intelligence Tools (DWH's, Analytischen Informationssystemen) abgebildet werden.
  • Sicherstellung der Datenqualität innerhalb der Analytischen Informationssysteme, als Teilverantwortung des übergreifenden Datamanagements.

Folgendes wird von der BI Governance nicht verantwortet:

  • Sicherstellung der Konsistenz des Prozessmonitoring.
  • Sicherstellung der Konsistenz der operativen Prozesse untereinander. Die BI Governance kann aber durchaus solche Inkonsistenzen identifizieren / aufdecken.
  • Sicherstellung der Datenqualität in den transaktionalen Quellsystemen.
  • IT Governance (Architekturrichtlinien, IT Prozesse) ist nicht Aufgabe der BI Governance.