Business Intelligence als Integrationsplattform

Die Vision der Integration

Business Intelligence (BI) bzw. Data Warehouse (DWH) wird häufig bewußt oder auch unbewußt als Unternehmens-Integrationsplattform zwischen mehreren IT-Systemen, insbesondere transaktionsorientierten Informationssystemen (TIS) verwendet. Am Anfang scheint dies ein sinnvoller Ansatz zu sein, zumal die DWH's häufig schon Schnittstellen zu fast allen transaktionsorientierten Systemen besitzen. Ein Mapping des Datenmodells aus dem CRM in das Datenmodell des Billingsystems oder das Datenmodell des Logisksystems ist schnell mit Data Warehouse-Technologie bewerkstelligt. Ist dies auch einmal funktionsfähig entwickelt und in Betrieb genommen, müssen die transaktionsorientierten Systeme auch nicht mehr die teuren Schnittstellenanpassungen umsetzen, da eine Erweiterung der Mappinglogik in den DWH's schneller und kostengünstiger ist. Es wird noch eine Rückschnittstelle vom DWH in die CRM-, ERP- und Billing-Systeme gebaut und alles funktioniert prächtig.



Integration durch Business Intelligence in der Praxis

Ein paar Jahre später sehen sich die Unternehmen großen Herausforderungen gegenüber:
  • Das manuell zu pflegende Mapping in den DWH's wird nur noch teilweise erledigt, sei es aus Gründen des fehlenden Know How's oder aber aufgrund der hohen manuellen Aufwände die über die Zeit angewachsen sind.
  • Hohe Fehlerraten in den Schnittstellen. Da den DWH's in den Unternehmen  häufig nicht die starkte Beachtung / Wichtigkeit beibemessen wird wie den transaktionalen Systemen, wird bei der Robustheit aber auch bei Test und Betrieb der DWH's Geld und Ressourcen gespart. Solange nur Reporting und Analysen in den DWH's erstellt werden, ist dies auch in Ordnung. Wenn aber die Unternehmenssteuerung oder auch operative Prozesse von der Funktionsfähigkeit der DWH's abhängig sind, funktioniert dies nicht mehr.
  • Hohe Entwicklungskosten und Betriebskosten in der BI-Welt aufgrund gewachsener Komplexität und hoher Abhängigkeit von transaktionalen Systemen.
  • Die Service Klassen werden auf einen 7x24-Stundenbetrieb ausgelegt, damit die DWH's die operativen Prozesse adäquat unterstützen können.
  • Disaster Recovery und Hochverfügbarkeitssysteme werden für die DWH's eingeführt, damit operativen Prozesse abgesichert sind.
  • Task Forces zur Qualitätsverbesserung der DWH's sind an der Tagesordnung.
  • Teure Architekturprogramme werden gestartet.
  • Monitoring-Frameworks werden eingeführt um die Verarbeitung den DWH's zu monitoren.
  • Anforderungen an Transaktionale Verarbeitung werden in den Analytischen Informationsystemen implementiert und führen zu Performance- und Verfügbarkeits-Einbußen. Leistungsfähigere Hardware muß beschafft werden.
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Das Fazit für BI als Integrationsplattform

Mittel- und langfristig kann ein Data Warehouse keine sinnvolle Integrationsplattform für die transaktionalen Systeme darstellen. DWH's sind auf eine analytische Verarbeitung (OLAP) zugeschnitten und transaktionale Systeme auf die transaktionale Verarbeitung (OLTP). Somit sollte ein analytisches Informationssystem niemals als Integrationsplattform zwischen zwei oder mehreren transaktionalen Systemen fungieren. Hier sollte man sich Alternativen bei EAI (Enterprise Applikation Integration) oder anderen Methoden für transaktionale Verarbeitung bedienen.

-> Eine strikte Trennung zwischen OLAP und OLTP ist das A und O bei der übergreifenden Systemarchitektur in den Unternehmen und Business Intelligence Systeme dürfen nicht als Integrationsplattform missbraucht werden.