BI Architekturmanagement - Philosophie der BI Architektur

Am Anfang steht die Komplexität


Hohe Komplexität in der BI Business Intelligence - Architekturmanagement
Ob in der Informationstechnologie, Business Intelligence, Softwareentwicklung oder Hausbau, wenn mehrere Ziele erfüllt werden müssen und diese Ziele teilweise gegensätzlich sind aber auch ungünstige Rahmenbedingungen existieren, dann entsteht schnell Komplexität. Komplexität entsteht u.a. dadurch, dass eine Lösung nicht eineindeutig abgeleitet werden kann. Insbesondere wenn man auch noch an die Zukunft denkt dann steigt die Anzahl an unbekannten Faktoren an und es wird schwieriger eine Lösung zu finden. Je mehr unbekannte Faktoren existieren desto komplexer ist es die richtige Lösung zu finden. Die Methodik des Architekturmanagements bietet hierfür einen Lösungsansatz an.

Der Grundsatz des Architekturmanagement

Der Grundsatz des Architekturmanagement ist es für wiederkehrende Problematiken bzw. Aufgaben Standardansätze zu erarbeiten und anzubieten. Diese Standardansätze werden in Form von Richtlinien angeboten. Ein Beispiel hierfür ist die Layer Architektur der BI. Jeder einzelne Layer hat einen bestimmten Zweck zu erfüllen und kann mittels Standardmethodiken umgesetzt werden. Ein häufiges Missverständnis bei diesem Grundsatz ist, dass die einzelnen Layer nicht unbedingt auch physisch umgesetzt werden müssen. Wenn keine Integration mehrerer Datenquellen notwendig ist und das Datenmodell nicht zwangsläufig in ein BI-spezifisches Datenmodell transformiert werden muss, benötigt man auch keinen Integrationslayer. So verhält es sich durchweg mit allen Layern. Schadhaft wird Architekturmanagement dann, wenn aus allen Richtlinien Zwangsvorgaben werden und viele Dinge als Mittel zum Zweck produziert werden und somit keinen nachhaltigen Sinn und Zweck erfüllen.

Die Siebener Regel

 Architekturmanagement wird dann eine Unterstützung zur Komplexitätsbewältigung, wenn die Richtlinien einfach, klar verständlich und somit nachvollziehbar sind sowie einem Sinn und Zweck im Kontext Unternehmensziele haben. Um zu verhindern, dass das Architekturmanagement nicht selbst zu komplex wird, sollte die 7er-Regel (wie bei einer halbstündigen Präsentation) angewendet werden. Eine Präsentation für 30 Minuten sollte 7 Folien mit jeweils 7 Kernaussagen bestehend aus 7 Wörten aufgebaut sein. Das Architekturmanagement sollte maximal 7 Richtlinien mit jeweils max. 7 Kernaussagen herausgeben. Werden unzählige Richtlinien mit unzähligen Vorgaben erarbeitet sind die Richtlinien nicht einfach umsetzbar. Zusätzlich können sich mehrere Richtlinien gegenseitig ausschließen. Möchte man diese Sonderfälle auch noch ausregeln wird das Ganze ein Elfenbeinturm und der Nutzen des Architekturmanagements wird zu einem Schaden im Unternehmen. Die 7er Regel hat ihren Ursprung in der visuellen Auffassungsgae des Menschen. Menschen können bis zu ca. 7 Dinge auf einmal erfassen und merken. Zu mehr ist ein normaler Mensch leider nicht im Stande. Dies muss bei solchen Richtlinien unbeding beachtet werden.
BI Business Intelligence Architekturmanagement

Standardrichtlinien

Im Folgenden werden einige Standardrichtlinien vorgestellt, die man in einer Business Intelligence Umgebung erlassen könnte.


Layer Architektur / Enterprise Data Warehouse - Ansatz

  • Die Richtlinie der Layer Architektur beinhaltet die Empfehlung bestimmte Funktionalitäten immer in der gleichen bewährten Reihenfolge zu implementieren und somit Schicht für Schicht aufzubauen. Dabei sollen Synergien in den Schichten gehoben werden, aber auch ein Gerüst geschaffen werden, um die Komplexität besser zu beherrschen. Beispielsweise ist ein Incidentmanagement in einer BI-Landschaft mit Layer Architektur einfacher und effizienter zu gestalten als ohne eine Layer Architektur. Durch die Zentralisierung der unteren Schichten der Business Intelligence bis zum Business Layer wird ein zusätzlicher Effizienzeffekt gehoben.

Richtlinie: Single Point of Truth

  • Die Richtlinie 'Single Point of Truth' ist relativ einfach und schnell erklärt: Es kann nur eine Wahrheit geben! Beim Aufbau einer BI-Landschaft muss sichergestellt werden, dass jede Kennzahl nur einmal berechnet wird. Damit einhergehend muss auch die Bewirtschaftung (Quellsystem, Staging Area, Integration Layer, Business Layer) nur einmal gebaut werden. Dies führt automatisch zu einer schlankeren BI. In Richtung Data Mart und Presentation Layer ist eine individuelle auf die Geschäftsprozesse ausgerichtete Vervielfältigung der Kennzahlen erlaubt. Wichtig hierbei ist, dass keine Berechnungslogik im Data Mart Layer und Presentation Layer existiert und die Kennzahlen verfälscht werden. Die Umsetzung ist umso schwieriger, wenn funktionsmächtige Präsentationstools im Unternehmen eingesetzt werden, die Berechnungslogiken im Standardproduktumfang anbieten.


Die verwendungszweckgebundene Business Intelligence (Data Lineage)

  • Die Business Intelligence darf niemals zum Selbstzweck werden, d.h. Daten zu Informationen und zu Wissen zu transformieren und zur Verfügung zu stellen ist keine hinreichende Existenzberechtigung für eine Business Intelligence. Alle bereitgestellten Informationen müssen mindestens in einem (dispositiven) Prozess verwendet werden. Wird ein Report oder Bestandteil eines Data Marts in dispositiven Prozessen nicht mehr benötigt, müssen diese zurückgebaut werden. Fallen zusätzlich alle Verwendungszwecke zu einer Kennzahl im Business Layer weg, muss auch die Kennzahl und gegebenenfalls auch die Bewirtschaftung der Kennzahl bis zum Quellsystem zurückgebaut werden. Damit nicht Objekte versehentlich zurückgebaut werden, die gegebenenfalls noch für andere Kennzahlen verwendet werden, muss ein entsprechendes Metadatenmanagement aufgebaut werden, welche die Verwendungszwecke aller BI-Objekte (Tabellen, Verarbeitungsroutinen, ETL-Prozesse,  Jobsteuerung, Report, ...) dokumentiert. Diese Methode wird auch als Data Lineage bezeichnet. Diese Richtlinie verankert  unabdingbares BI-Lifecycle Management und somit die Basis für eine effiziente Business Intelligence.

Vermeidung von manuellen Schnittstellen in der BI

  • Eine sehr einfache, aber nahezu nie vollständig umsetzbare Richtlinie ist, dass keine Daten über manuelle Schnittstellen in die Business Intelligence eingespielt werden dürfen. An dieser Richtlinie scheiden sich auch die Geister: Die einen Experten sagen, dass eine BI nur durch diese flexible Methode den richtigen Nutzen hervorbringt, die anderen sagen, dass keine Information existieren sollte, die man nicht aus irgendeinem System extrahieren könnte. Zweiteres würde ich empfehlen, da die Abhängigkeit von manuellen Pflegeschnittstellen langfristig nicht funktionieren kann. Es kann auch nicht sein, dass Personen Informationen generieren, die nicht durch eine Software hätte generiert werden können. Häufig steckt hinter einer manuellen Pflege von BI-Daten ein persönliches Hobby der Mitarbeiter und somit eine Arbeitsbeschaffungsmassnahme. Unbenommen davon ist, dass in Interimslösungen, d.h. zeitlich begrenzten Lösungen, manuelle Schnittstellen die notwendige Flexibilität schaffen. Diese manuellen Schnittstellen müssen aber mittel- und langfristig durch automatisierte Schnittstellen ersetzt werden.