Datenqualität Push-Prinzip vs. Pull-Prinzip

Das Push-Prinzip und das Pull-Prinzip ist in der Wirtschaft insbesondere in Fertigung / Produktion und in der Logistik bekannt. Diese Prinzipien spielen bei der Datenqualtität insbesondere bei der Bewirtschaftung der BI-Systeme mit Daten aus den Quellsystem (OLTP-Systemen) eine sehr große, wenn nicht sogar die entscheidende Rolle.

Definition Pull-Prinzip

Das Pull-Prinzip: Der Empfänger der Daten ist für die Auswahl der Daten und den Transport der Daten in das BI-System verantwortlich.

Definition Push-Prinzip

Das Push-Prinzip: Der Lieferant der Daten ist für die Auswahl der Daten gemäß einer abgestimmten Vorgabe (Vertragsbeziehung) verantwortlich. Gewöhnlich ist der Lieferant auch für den Transport ins Zielsystem verantwortlich, da er den Bereitstellungszeitpunkt am besten kennt. Alternativ kann sich das Zielsystem / BI-System die Daten beim Quellsystem abholen. Dies kann bei hoch-integrativen ETL-Tools aus technischen Gesichtspunkten durchaus Sinn machen. Aus fachlicher Sicht sollte der Lieferant für den Transport verantwortlich sein, damit eine klare Gewaltenteilung / Verantwortung für die Daten und deren Datenqualität hergestellt werden kann.

Erklärendes Beispiel Zu Push Pull Prinzip

An dem folgenden Beispiel / Szenario kann man die beiden Prinzipien mit Fokus auf die Auswirkungen auf die  Datenqualität einfach erklären:

Annahme: Sie besitzen eine Schnapsbrennerei der Premiumklasse und benötigen wöchentlich 20 Kg Markenzucker aus dem Lebensmittelmarkt.

Das Push-Prinzip funktioniert wie ein Laden mit Bedienung. Sie geben eine Bestellung von 20 kg Markenzucker in einem Lebensmittelmarkt auf und vereinbaren, dass die Ware entweder am Mittwoch 12 Uhr geliefert wird oder aber ihr 6-jähriger Sohn die Ware am Mittwoch 14 Uhr nach der Schule abholt.

Das Pull-Prinzip funktioniert im Gegensatz zum Push-Prinzip wie ein Selbstbedienungsladen. Sie schicken ihren 6-jährigen Sohn (er kann schon zählen aber noch nicht lesen) in den Lebensmittelmarkt und geben ihm die Anweisung, dass er folgendes mitbringen soll:
  • 20 Pakete
  • aus dem 15. Regal vom Eingang gezählt
  • im fünften Fach von unten gezählt
  • ganz links eingeordnet.
Beim ersten Einkauf haben Sie selbst festgestellt, dass der Markenzucker 'immer' an dieser Stelle eingeordnet ist, neben dem Mehl, unter der Stärke und über dem billigen NoName-Zucker. Sie prüfen auch noch im ersten Monat, ob ihr Sohn wirklich Markenzucker und kein Mehl oder Stärke nach Hause bringt. Danach läuft das ganze von selbst für die nächsten Jahre. :-).

Stellen Sie sich nun vor, Sie sind Schnapskonsument und stehen vor der Wahl den Push-Schnaps für 11 Euro pro Flasche oder den Pull-Schnaps für 10 Euro pro Flasche zu kaufen, auch vor dem Hintergund, dass der beigemischte Alkohol nach dem selben Prinzip beschafft wird und die Kanister für Alkohol und Methanol nebeneinander stehen und sich nur durch die Aufschrift unterscheiden.

Die Fehlerquote und deren Auswirkungen sind beim PULL-Prinzip viel höher als beim PUSH-Prinzip. Vielen Verantwortlichen ist wirklich nicht bewußt welche Fehlerquellen beim Pull-Prinzip auftreten könnten:
  • Das Regal gibt es nicht mehr. Der Sohn kommt ohne Zucker zurück.
    → Sie können keinen Schnaps brennen
    → Sie müssen den neuen Regalstandort finden.
    → Hoher Aufwand

  • Die Regale werden umgeräumt. Der Sohn kommt mit Mehl zurück.
    → Sie können keinen Schnaps brennen.
    → Sie müssen den neuen Regalstandort finden.
    → Hoher Aufwand

  • Es wird ein neuer Regalboden eingezogen: Der Sohn kommt mit Noname-Zucker zurück.
    → Der Schnaps wird unbemerkt mit Noname-Zucker gebrannt.
    → Die Qualität des Schnaps sinkt.
    → weniger Schnaps wird gekauft
    → das Unternehmen geht pleite
    → der Insolvenzverwalter stellt fest, dass jahrelang der falsche Zucker verwendet wurde.

  • usw.
Bei den Entscheidungen wie die Daten in der Business Intelligence beschafft werden, werden häufig günstige und schnelle Lösungen den professionelle Logistiklösungen vorgezogen. Dies sollten Sie nicht tun.

Selbstbedienungstheken (BI-Self-Services) können Sie am Übergabepunkt der Produkte (Reports, Tools, Instrumente) an den Kunden implementieren aber nicht in der regelmäßigen Datenbewirtschaftung von BI-Tools für die Unternehmenssteuerung. Der Nutzenverlust kann durch die eingesparten Initialkosten nicht ausgeglichen werden.