4 - Lösungsansatz Transformation Business Intelligence



Status Quo: Vertikales BI-Management

In vielen Unternehmen wird ein föderativer vertikaler fachbereichsgetriebener BI-Ansatz verfolgt, d.h. jeder Fachbereich managed seine Verwendungszwecke von der Quelle des transaktionalen Systems, über die Datenbewirtschaftung der BI-Systeme (Enterprise Warehouse, ETL, Data Marts) hinweg bis zur Verwendung der Daten zu seinem Zweck. Zusätzlich wird diese Ansatz mit dem IT-Governance-Ansatz ergänzt die Daten in einer Enterprise Warehouse zu zentralisieren. Durch diese zusätzliche IT-Governance mit dem Ziel Synergien in der zentralen Datenbereitstellung zu erzielen, entsteht sowohl Komplexität, Abhängigkeit, Unflexibilität und Mehraufwand. Mit jeder Anpassung entweder in den Quellsystemen als auch in den Verwendungszwecken (Neuerung, Änderung, Wegfall) steigt die Komplexität, der Aufwand und somit die Kosten.

Nachteile sind u.a., dass Synergien nicht als Regelprozess gemanged werden sondern immer nur im Rahmen von Anforderungen und Umsetzungsprojekten, so dass immer nur das neue Delta aber nicht der Gesamtkontext gemanaged wird. Somit fehlt auch ein fachliches Verantwortungsmodell für die Daten im Enterprise Warehouse. Aufgrund des Mixes des Kontextes zu Quellsystem und Verwendungszwecke werden die zentral-bereitgestellten Daten keinen Hafen hinsichtlich Verantwortung im Fachbereich finden.

Alternative A: Horizontales BI-Management

Als Alternative könnte man nun eine strenge Schichten Architektur nach Lehrbuch einführen und die verschiedenen Schichten ETL-Layer zu Quellsystemen, Staging-Area, Core-Layer, Business Layer, Data Mart Layer, Presentation Layer einführen. Dieser Ansatz kann allerdings nur funktionieren, wenn alle Fachbereiche und alle IT-Bereiche den Ansatz verstanden haben und an den selben Zielen arbeiten. Die große Menge an beteiligten Personen in der IT wie auch in den Fachbereichen läßt diesen Ansatz nur in sehr kleinen Unternehmen umsetzbar machen.

Alternative B: Kombiniertes horizontales und vertikales BI-Management

Eine andere Alternative zu den vorangegangen Managementmethoden ist der kombinierte horizontale und vertikale BI-Managementansatz. Diese BI muss u.a. notwendige Veränderungen im Unternehmen frühzeitig antizipieren aber auch die Veränderungen jederzeit mitgehen. Desweiteren muss diese BI sowohl nach technischen als auch nach fachlichen und organisatorischen Aspekten ganzheitlich gesteuert werden. Wird einer dieser drei Aspekte vernachlässigt oder vergessen treten früher oder später große Probleme auf. Zusätzlich spielt auch die budgetäre / finanzielle Sicht eine entscheidende Rolle. Probleme können in der BI sowohl bei zu wenig verfügbarem Budget als auch bei zuviel verfügbarem Budget auftreten. Eine Steuerung der Budgetbudget ist ein entscheidender Erfolgsfaktor für die BI:

  1. Technische Sicht auf die BI
  2. Fachliche Sicht auf die BI
  3. Organisatorische Sicht auf die BI
  4. Finanzielle Sicht auf die BI

Horizontal gesteuerte Business Intelligence (Enterprise Warehouse)

Die Ebene des Enterprise Warehouse wird hierbei zentral/horizontal durch einen Datamanagement-Ansatz gesteuert und die Ebenen Data Mart und Presentation durch einen vertikalen fachbereichsgestriebenen Ansatz gemanaged. Die Philosophie dabei ist, dass die Daten im Enterprise Warehouese einige grundlegende Anforderungen erfüllen:

  1. Unabhängigkeit vom Verwendungszweck und der Organisation
  2. Unabhängigkeit von Geschäftsmodell / Produkten / Kundensegmenten
  3. Unabhängigkeit von den Quellsysteme
D.h. man muss die Ebene des Enterprise Warehouse sowohl zur Quelle als auch zur Senke kapseln. Der zu managende Datenraum muss dabei so flexibel sein, dass Veränderungen im Unternehmen sowohl auf der Quellsystemebene (operative Prozessänderungen) als auch auf der Verwendungszweckseite (dispositive Prozessveränderungen) jederzeit berücksichtigt werden können. Dies kann dadurch erreicht werden, dass Standard-Datenobjekte gemanged werden, die jedes Unternehmen und jedes Geschäftsmodell zur Steuerung benötigt.

Die folgenden Standard-Datenobjekte werden hierbei initial berücksichtigt.

Faktendaten

  • Produktabsatz (Vertriebsleistung inkl. Abgänge)
  • Kundenbestand
  • Umsatz
  • direkte Kosten
  • Produktnutzung

Dimensions- und Stammdaten

  • Kundenstammdaten --> Kundensegment / -dimension
  • Produktstammdaten --> Produktstruktur / -dimension
  • Stammdaten der Vertriebsorganisation --> Vertriebsstruktur / -dimension

Verantwortungsmodell

Für den zu managenden Datenraum muss eine fachliche Verantwortung in der Organisation verankert werden. Die folgenden Aufgaben gehören u.a. in diese Verantwortung

  • proaktive Anbindung aller transaktionalen Quellsysteme (operative Prozesse)
  • Sicherstellung der Datenbereitstellung aller Daten in Zeit und Qualität (z.B. Vollständigkeit)
  • Sicherstellung der Bereitstellung von übergreifenden Business Logiken (z.B. Dimensionierung nach Produkt, Vertrieb und Kunde)
  • Schaffung der Transparenz über den Umfang der bereitgestellten Datenräume (Metdadatenmanagement)
  • Management der Bereitstellung der Daten für die verschiedenen Verwendungszwecke

Vertikal gesteuerte Business Intelligence

Die verschiedenen Verwendungszwecke in der Business Intelligence können grundsätzlich auch durch die Fachbereiche dezentral gesteuert werden. Wesentliche Grundsätze müssen aber eingehalten werden:

  1. Die verschiedenen individuellen Lösungen für die Verwendungszwecke müssen so gekapselt werden, dass man die individuellen Lösungen jederzeit wieder Außerbetrieb nehmen kann.
  2. Der Grundsatz 1 ist Voraussetzung, dass man für die Unterstützung der einzelnen Verwendungszwecke durch die BI einen Business Case rechnen kann. Der Case muss sich für jeden einzelnen Verwendungszweck rechnen. Lösungen mit negativen Case müssen Außerbetrieb genommen werden.
  3. Verwendungszwecke der Geschäftssteuerung müssen auf Daten aus dem Enterprise Warehouse aufbauen. Parallele ETL-Prozesse müssen unterbunden werden.
  4. Die BPM-BI muss auf Daten des Enterprise Warehouse zugreifen, wenn diese schon nvorhanden sind. Zusätzliche Prozessindividuelle Daten können am Enterprise Warehouse vorbei prozessiert werden.
  5. Der Datenaustausch von Verwendungszweckindividuellen Lösungen sollte soweit möglich unterbunden werden, um Abhängigkeiten zwischen Verwednungszwecken und somit Komplexität zu vermeiden.