2 - Fachliche BI-Enabler

BI-Enabler für die Geschäftssteuerung

Die Business Intelligence muss neben einer technischen Steuerung/Ausrichtung (Referenzarchitektur) auch eine ganzheitliche fachliche Steuerung bekommen. Hierbei sollte föderativer Ansatz aus zentraler und dezentraler Steuerung zum Einsatz kommen.

Die zentrale Fachlichkeit befindet sich im Enterprise Warehouse. Die Ebene des Enterprise Warehouse wird hierbei zentral/horizontal durch einen Datamanagement-Ansatz gesteuert. Die Philosophie dabei ist, dass die Daten im Enterprise Warehouese einige grundlegende Anforderungen erfüllen:

  1. Unabhängigkeit vom Verwendungszweck und der Organisation
  2. Unabhängigkeit von Geschäftsmodell / Produkten / Kundensegmenten
  3. Unabhängigkeit von den Quellsysteme
D.h. man muss die Ebene des Enterprise Warehouse sowohl zur Quelle als auch zur Senke kapseln. Der zu managende Datenraum muss dabei so flexibel sein, dass Veränderungen im Unternehmen sowohl auf der Quellsystemebene (operative Prozessänderungen) als auch auf der Verwendungszweckseite (dispositive Prozessveränderungen) jederzeit berücksichtigt werden können. Dies kann dadurch erreicht werden, dass Standard-Datenobjekte gemanged werden, die jedes Unternehmen und jedes Geschäftsmodell zur Steuerung benötigt.

Die folgenden Standard-Datenobjekte werden hierbei initial berücksichtigt.

Faktendaten

  • Produktabsatz (Vertriebsleistung inkl. Abgänge)
  • Kundenbestand
  • Umsatz
  • direkte Kosten
  • Produktnutzung

Dimensions- und Stammdaten

  • Kundenstammdaten --> Kundensegment / -dimension
  • Produktstammdaten --> Produktstruktur / -dimension
  • Stammdaten der Vertriebsorganisation --> Vertriebsstruktur / -dimension

Im Gegensatz zum Enterprise Warehouse - Ansatz werden die Ebenen Data Mart und Presentation durch einen vertikalen fachbereichsgestriebenen Ansatz gemanaged. Die fachlichen Funktionalitäten müssen unabhängig von den der jeweiligen Organisation eines Unternehmens verankert werden. Beispielsweise kann die Kanalprofitabilitätsrechnung in einem zentralen Controlling-Bereich eines Unternehmens angesiedelt werden oder aber in einer dezentralen Controllingeinheit innerhalb der Vertriebssteuerungseinheit. Die Fachlichkeit einer BI-Funktion muss einer Umorganisation standhalten können.

  • Vertriebssteuerung, z.B.
    • Kanalprofitabilität,
    • vertriebliches Zielemanagement
  • Produktsteuerung, z.B.
    • Produktergebnisrechnung,
    • ProduktLifeCycleManagement
    • Produktnutzungsanalysen
  • Kundensegmentsteuerung, z.B.
    • Deckungsbeitragsrechnung pro Kunde / Vertrag,
    • Kundenpotentialanalyse
    • Kundenkontaktmanagement und Kundenkampagnenmanagement
  • Finance- und Managementreporting
    • Vertriebs- und Marketing-Controlling
    • Planung & Forecast
    • internes Management-Reporting, Management-Dashboard bzw. Management Informationssystem (MIS)
    • externes Berechtswesen (HGB, IFRS, US-GAAP, Behörden, ...)

Das Funktionsportfolio einer Business Intelligence in Unternehmen muss zwangsläufig in vielen Bereichen gleich aussehen. Die Sichten auf die Produkte/Dienstleistungen, auf den Vertriebserfolg / Vertriebskanal und auf die Kunden / Kundensegmente sind in allen Unternehmen gleich. Eine vierte übergreifende Sicht ist auch in allen Unternehmen zwangsläufig gefordert, da schon Gesetze/Vorschriften zur ordnungsmäßigen Buchhaltung jedes Unternehmen zwingen über den Erfolg des Unternehmens zu berichten (z.B. Gewinn- und Verlustrechnung, Bilanz).

BI-Solutions für BPM (Business Process Management)

Neben der Geschäftssteuerung werden auch Funktionen benötigt, die zur Prozessoptimierung dienen. Solche Funktionen sind typischerweise individuell und müssen sich häufig an verändernde Prozesse anpassen oder werden nur temporär benötigt. Die BPM-Solutions sollten dementsprechen so designed werden, dass sie sich ständig veränderten Rahmenbedingungen schnell und flexibel anpassen können. Dementsprechend sollten diese Solutions nicht in den Fachlichen BI-Enablern der Geschäftssteuerung integriert werden, sondern nur punktuell miteinander verbunden werden. D.h. beispielsweise, dass Daten die Enterprise Warehouse schon vorhanden sind auch aus dieser Datenquelle abgezogen werden sollten. Individuelle Attribute aus den Geschäftsprozessen sollten direkt ohne Umweg über das Enterprise Warehouse in die BPM-Solution transportiert werden. Um Doppelimplemetierungen zu verhindern ist ein übergreifendes fachliches Portfoliomanagement über die Geschäftssteuerung und die BPM-Soluions zu etablieren.