2 - Transformationstreiber IT Factory Ansatz


Transformationsbedarf durch den Factory Ansatz

Der große Kostendruck in der IT führt immer stärker zu Ansätzen die IT in Form einer Factory/Farik in "Billiglohnländer" auszulagern. In einem standardisierten Wassenfallmodell des Softwareentwicklungsprozesses können einzelne Prozessanteile bis hin zur gesamten IT in eine Factory ausgelagert werden. Die Idee dabei ist, dass man in eine standardisierte spezialisierte Fabrik einen standardisierten Input anliefert und ein fertiges qualitätsgesichertes Standardprodukt aus der Fabrik als Output zurückgeliefert bekommt. Das Ziel des Unterfangens dabei ist:
  • Niedrige Lohnkosten: von niedrigen Lohnkosten (z.B. BRICS-Länder) zu partizipieren
  • Effizienz/Effektivität durch Skaleneffekte: Da viele Unternehmen Ihre Standardprodukte in der selben Fabrik produzieren lassen, müssen sich Skaleneffekten realisieren können.

Zwei Grundlegende Anforderungen müssen beim Factory-Ansatz erfüllt sein, damit die Rechnung wirklich aufgeht.

  1. Das Unternehmen muss als Output Standardprodukte akzeptieren, d.h. eine Diversifizierung mit diesem Output am Markt um Wertbewerbsvorteile zu erlangen darf keinesfalls das Ziel sein.
  2. Für das Produzieren von Standardprodukten muss auch Standard in die Fabrik angeliefert werden, d.h. die Organisation die die Fabrik ansteuert muss hoch-standardisiert in Richtung Fabrik agieren und jegliche Individualisierung wegkapseln oder in einen Standard transformieren.

Für den Factory-Ansatz muss man neben der Entscheidung hinsichtlich Wertschöpfungstiefe noch die Entscheidung der Organisationsform / Steuerungsform treffen. Die Wertschöpfungstiefe richtet sich an dem Standard-Entwicklungsprozess (Wasserfallmodell) aus. Beim Wasserfall-Prozess werden grob die folgenden Phasen unterschieden:

  • Anforderungsphase
    • Machbarkeitsstudie
    • Lösungskonzept
      • Fachliche Systemspezifikation
        • Technische Systemspezifikation
        • Softwareentwicklung
      • Systemtest
    • Lösungstest
    • Inbetriebnahme
  • Betrieb
  • Abschaltung

Die Organisationsformen können dabei grob in folgende Kategorien unterschieden werden.

  • Factory - IT-unternehmensintern
    • Offshore, z.B. BRICS-Länder
    • Nearshore, z.B. Factory in Deutschland / Mitteleuropa
  • Factory - IT-unternehmensextern
    • Auslagerung / Outsourcing

Je nach dem wie groß der Faktory-Ansatz gewählt wird - von der reinen Softwareentwicklungsleistung (Programmierung) über technische Spezifikation, Test, Fachspezifikation bis hin zur gesamten IT - muss sich das Unternehmen mehr oder weniger an diesen Standard anpassen und sich grundlegend verändern. Der Case (Total Cost of Ownership) muss über den gesamten Wertschöpfungsprozess des Unternehmens betrachet werden. Wenn ein Unternehmen im Premiummarkt in einer Factory Discountstandard produzieren läßt, muss der Mehrwert (Diversifizierung) gegenüber dem Konkurrenten an anderer Stelle im Unternehmen produziert werden. Zumeist erfolgt dieser Mehrwert in einer Fachbereichs-IT (Schatten-IT / legale Self Service IT). Neben den reinen IT-Kosten in der Factory müssen folgende Kostenpositionen hinzugerechnet werden:

  1. zusätzlich notwendige Fachbereichs-IT, inkl. Ressourcen für Entwicklung / Betrieb
  2. Kosten für eine Organisation die den Standard an die Factory liefert und wieder entgegennimmt

Für Unternehmen die sich auf ein Discounter-Geschäftsmodell bzw. Standardmassenmarktmodell konzentrieren fällt die Transformation und somit auch die Zusatzkosten für den Factory-Ansatz geringer aus. Je stärker ein Unternehmen auf einem Prämiummarkt, Nischenmarkt / Individualmarkt agiert, desto größer ist der Bedarf an Transformation inkl. Zusatzkosten zur Ansteurung der Factory. Unternehmen die ein Vollsortiment anbieten müssen gegebenenfalls mehrere Prozessmodelle und IT-Modelle etablieren und gegebenenfalls nur die Massenmarkt- und Discountmarktanteile über eine Factory abwickeln.

Business Intelligence in einer Factory

Wird die IT, die die Business Intelligence entwickelt und betreibt, in eine Factory ausgegliedert bedeutet dies, dass auch für die BI Standards eingesetzt werden müssen. Von alledem was heute in den Unternehmen aber existiert, erkennt man kaum eine Business Intelligence Landschaft die das Wort "Standard" verdient. Um Skaleneffekte für die BI in einer Factory unternehmensübergreifend zu realisieren, würden folgende Standards benötigt:

  • Standard-Datenmodell für das Enterprise Warehouse.
  • Standard-Portfolio für dispositive Verwendungszwecke.
  • Standard-Steuerungsmodell für die Unternehmen.

Realistisch gesehen wird jedes Unternehmen, jeder Geschäftsführer und alle BI-Experten argumentieren, dass die Steuerung des Unternehmens und die verschiedenen Verwendungszwecke der BI ein Diversivizierungsmerkmal am Markt ist. Dementsprechend werden diese Anteile in keine Factory ausgelagert, sondern verstärkt in Schatten-IT und Self Service-BI-Lösungen umgesetzt. Der Factory-Ansatz hat somit mit der Self-Service-BI sein Komplementär in der BI gefunden. Mit dieser Erkenntnis sollte ein Unternehmen beide Ansätze immer parallel sich gegenseitig ergänzend treiben und einführen, um eine optionale BI-Steuerung zu erlangen.

Fazit: Der IT-Factory-Ansatz bedingt mehrere essentielle Veränderungen / Transformationen in der BI im Unternehmen

  1. Es wird eine zusätzliche Organisationseinheit benötigt, die die Unternehmensbedürfnisse in einen Standard für die Factory übersetzt und umgekehrt. Alternativ kann sich das gesamte Unternehmen an den Standard der Factory ausrichten.
  2. Der Factory-Ansatz in der BI bedingt das Komplementär Self-Service-BI. Self-Service-BI ist eine essentiell notwendige Ergänzung zum Factory-Ansatz.
  3. Zur Erzielung von Skaleneffekten bei einer BI-Factory muss ein unternehmens-/branchenübergreifendes Standard-Datenmodell auf der zentralen Enterprise Warehouse-Ebene etabliert werden.